Geschichte
Die Heiße Kartoffel ist der mitteldeutscher Wirtschafts- und Kommunikationspreis. Er wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise für die Region eingesetzt haben. Die vom Leipziger Künstler Jörn Konrad geschaffene Skulptur zeigt eine verletzte Hand, die eine Kartoffel hält und sie trotz der Verletzung nicht fallen läßt. Diese Symbolik liegt der Preisverleihung zu Grunde.
Der eigentliche Beginn der "Heißen Kartoffel" datiert aus dem Jahre 1993, als mit der Auszeichnung des Regierungspräsidenten des Regierungspräsidiums Leipzig, Walter Christian Steinbach, eine neue Ära des Preises begann. Die ersten beiden Auszeichnungen, heute oft scherzhaft als vorhistorische Zeit bezeichnet, stellen Versuche einer Preisverleihung in einer neuen Zeit dar. Sie wurden 1991 und 1992 unter vollkommen anderen Bedingungen im engsten Kreis" vergeben und haben mit der "Kartoffel", wie wir sie heute kennen und verstehen, wenig gemeinsam.
Die Verleihung 1993 an RP Steinbach war die wichtige Entscheidung, sich mit der Auszeichnung in die Politik einzumischen und den Ausgezeichneten eine Plattform für ihr Engagement zu geben. Als ehemaliger Pfarrer von Rötha, einer Gemeinde südlich von Leipzig, engagierte sich Walter Christian Steinbach schon zu DDR-Zeiten mit seiner Aktion eine Mark für Espenhain" für die Belange der Region. Der zügige Aufbau und das gute Funktionieren des Regierungspräsidiums brachte und bringt ihm überall Achtung und Anerkennung ein. Über 200 geladene Gäste wurden damals Zeugen des neuen" Preises und der Würdigung von Regierungspräsident Steinbach. Die Laudatio sprach Erich Iltgen, der Landtagspräsident des Freistaates Sachsen. Die Veranstaltung fand im Neuen Rathaus in Leipzig statt.
Als Preisträger 1994 wurde Friedrich Magirius, der ehemalige Superintendent und Moderator des Leipziger Runden Tisches, vorgeschlagen. Dabei hatte man mit der vorangegangenen Verleihung einen Anspruch entwickelt, dem es galt gerecht zu werden. Als Ort wurde das Hotel Intercontinental ausgewählt. Für die Laudatio gelang es Ignaz Bubis, den mittlerweile verstorbenen und in Israel beerdigten Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, zu gewinnen.
Heiße Kartoffel ist mitteldeutschMit der Verleihung der "Heißen Kartoffel 1995" an Dr. Klaus Schucht, Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt, wurde die "Heiße Kartoffel" mitteldeutsch - ein Anspruch, dem sich ideelle Träger Mitteldeutscher Presseclub zu Leipzig heute ebenfalls verpflichtet fühlt. Dr. Schucht, von der Auszeichnung sichtbar überrascht und bewegt, erhielt die Heiße Kartoffel für sein persönliches Engagement um den Erhalt des mitteldeutschen Chemiestandortes. Trotz massiver Einbrüche, verbunden mit einem unvorstellbaren Abbau von Arbeitsplätzen, war es gelungen, den Standort zu erhalten und durch erhebliche Neuinvestitionen - allen voran des amerikanischen Dow Chemical-Konzerns - zu revitalisieren. Die Laudatio für den leider schon verstorbenen Dr. Schucht sprach damals Ralf-Dieter Brunowsky, Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins Capital. Diese Verleihung fand wiederum im Neuen Rathaus in Leipzig statt.
Kandidat für die sechste "Heiße Kartoffel" war Prof. Lothar Späth, der damalige Vorstandsvorsitzender der JENOPTIK AG aus Jena. Die Laudatio sprach Dr. Frank-Michael Pietzsch, Landtagspräsident von Thüringen, der für sich mit in Anspruch nehmen konnte, Lothar Späth nach Thüringen "gelockt" zu haben.
Durch die Würdigung der Leistung von Persönlichkeiten aus den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wurde die "Heiße Kartoffel" immer mehr ihrem mitteldeutschen Anspruch gerecht. Auch der Rahmen hatte sich weiter entwickelt. Künftig sollten die Verleihungen im Kuppelsaal des historischen Gebäudes der Deutschen Bank stattfinden - eines Gebäudes, das vom bekannten Leipziger Architekten Arved Roßbach 1901 erbaut und 1996 nach aufwendiger Restaurierung wieder eröffnet wurde. Damals hatte es Wolfgang Kellert, Direktor der Deutschen Bank, symbolisch den Leipzigern als gesellschaftlichen Treffpunkt angeboten.
Die 7. "Heiße Kartoffel" ging 1998 an Prof. Kurt Biedenkopf, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, für sein wirtschaftspolitisches Engagement, das weit über die Landesgrenzen wirkte. Für die Laudatio konnte Dr. Rolf E. Breuer, Sprecher des Vorstandes der Deutschen Bank, gewonnen werden. Dr. Johann Harter, Geschäftsführer des Siemens Microelectronic Centers Dresden, das heute zur Infineon AG gehört, sprach in seinem Grußwort über den Zusammenhang zwischen der Wirtschaftspolitik von Prof. Biedenkopf und den Unternehmen vor Ort.
Wirtschaft und Regionalmarketing"Mit dem Preis werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich durch ihr Engagement für den Wirtschaftsstandort Mitteldeutschland in besonderer Weise verdient gemacht haben...", so heißt ein Hauptkriterium für die Vergabe der "Heißen Kartoffel". Dies, so die Meinung der Jury Anfang 1999 bei der Kandidatenkür, trifft für Norbert Wenner, den Vorstandsvorsitzenden der Mitteldeutschen Stromversorgung AG (MEAG) in besonderer Weise zu. Die Jury setzte sich zu der Zeit aus Mitgliedern des Leipziger Pressestammtisches der Wirtschaftsjournalisten, dem Vorgänger des hutigen Presseclubs, zusammen. Sein jahrelanges Wirken bei der Neuorganisation der mitteldeutschen Stromversorgung, sein Engagement im Mitteldeutschen Industrieklub sowie sein Einsatz für die Gestaltung einer mitteldeutschen Industrieregion - über die Ländergrenzen Sachsens und Thüringens hinweg - zeigten den MEAG-Vorsitzenden als einen würdigen Preisträger. Die Laudatio sprach zu seiner großen Freude der Preisträger von 1995 und Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts a.D., Dr. Klaus Schucht.
Bei der Verleihung im November 1999 war die "halbe deutsche Energiewirtschaft" in Leipzig zu Gast. Mit diesem saloppen Zungenschlag laßt sich am besten die starke Resonanz bei den Vorständen der deutschen Energieunternehmen auf diese Veranstaltung darstellen. Es war gelungen - punktgenau zu einem Höhepunkt der Liberalisierung der Energiewirtschaft -, den mitteldeutschen Kommunikations- und Wirtschaftspreis "Heiße Kartoffel" als Instrument des Regionalmarketings im Interesse unserer Region und ihrer Bürger zu platzieren.
Mit Frau Prof. Dagmar Schipanski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Freistaates Thüringen, wurde im Jahr 2000 eine Persönlichkeit als Preisträgerin gekürt, die in der Region und darüber hinaus ein hohes Ansehen genießt. Nach der Auflösung des Pressestammtisches Ende 2000 fehlte der Heißen Kartoffel kurzzeitig der ideelle Träger und seine Jury, so dass 2001 kein Preis vergeben werden konnte. Diese Aufgabe übernahm der Ende des Jahres 2001 ins Leben gerufene Mitteldeutsche Presseclub zu Leipzig, dessen vorbereitender Gründungskreis aus den Journalisten des Pressestammtisches bestand.
Im Jahr 2002 konnte der mitteldeutsche Wirtschafts- und Kommunikationspreis zum zehnten Mal verliehen werden. Preisträger war Prof. Joachim Milberg, Vorstandsvorsitzender a.D. sowie Mitglied des Aufsichtsrates der BMW Group. Prof. Joachim Milberg erhielt die "Heiße Kartoffel" für das Engagement von BMW in Leipzig. Als Vorstandsvorsitzender der BMW-Group hatte er 1999 die Leitung der Autoschmiede übernommen und eine Trennung von Rover durchgesetzt. Dadurch gelang es, den Konzern in die schwarzen Zahlen zu führen und einen Wachstumsschub zu erzeugen, der letztendlich zum Entscheid für eine Fertigung in Leipzig führte.
2003 ging die "Heiße Kartoffel" an Dr. Klaus-Ewald Holst, den Vorstandsvorsitzenden der VNG-Verbundnetz Gas AG. "Die Heiße Kartoffel gebührt Klaus-Ewald Holst nicht nur wegen des wirtschaftlichen Erfolges des Energiedienstleisters VNG, womit die Stärkung einer eigenen regionalen mitteldeutschen Identität gefördert wird, sondern auch wegen des herausragenden sozialen und gesellschaftlichen Engagements für diese Region durch ihn persönlich und durch sein Unternehmen", so Presseclub-Präsident Wolfgang Kenntemich damals zur Nominierung des Preisträgers (Quelle des Fotos: photo-press-service.com).
Mit Genscher Verleihung erstmals im BundesverwaltungsgerichtFür seine Verdienste um die deutsche und die europäische Einheit bekam der frühere Außenminister und FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher am Abend des 4. November 2004 in Leipzig die "Heiße Kartoffel 2004" überreicht. Er fühle sich sehr geehrt durch diese Auszeichnung, denn die "Heiße Kartoffel sei ein mitteldeutscher Preis und das ist meine Heimat, die ich nicht vergessen habe", so der 77-jährige Genscher in seiner Dankesrede.
Der gebürtige Hallenser nutzte die Feierstunde im Großen Saal des Bundesverwaltungsgerichts für ein entschiedenes Plädoyer, den 3. Oktober als nationalen Feiertag der Deutschen nicht zu einem datumstechnischen "Wandertag" verkommen zu lassen: Diesen Tag zu "feiern, ist ein Recht, dass wir uns nicht nehmen lassen dürfen", artikulierte Genscher seine Meinung unter großem Applaus der rund 300 Gäste.
Besonders freute er sich über die Anwesenheit von Gyula Horn, der als ungarischer Außenminister im Sommer 1989 den Stacheldraht an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich durchschnitt und so zur späteren Wiedervereinigung Deutschlands und letztlich auch zur Erweiterung der Europäischen Union entscheidend beitrug: "Die Europäische Union wäre heute nicht so wie sie heute ist, wenn es das tapfere Volk der Ungarn nicht gegeben hätte", betonte Genscher.
Der frühere ungarische Ministerpräsident und vormalige Außenminister Gyula Horn erklärte in seiner simultan aus dem Ungarischen übersetzten Festrede, dass der Zusammenbruch des kommunistischen Systems eindrucksvoll
bewiesen habe, dass es zur Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft keine Alternative gebe. Die Vereinigung Deutschlands und die Erweiterung der Union sollten alle in Europa als Signal verstehen, mit jeder Herausforderung fertig werden zu können.
Die ARD-Moderatorin Sabine Christiansen würdigte in ihrer Laudatio das "Phänomen Genscher", in dem sie die vielen Facetten dieses gewieften und routinierten Interviewpartners wie auch des stets neugierigen und nimmermüden Diplomaten in einer kurzweiligen Rede beschrieb.
Der Mitteldeutsche Presseclub hatte Genscher als Preisträger 2004 bestimmt, weil er nie seine heimatlichen Wurzeln im Osten Deutschlands vergessen und sich nach der Wende tatkräftig für Mitteldeutschland eingesetzt habe, so Presseclub-Präsident Wolfgang Kenntemich zur Begründung der Jury: "Vor 15 Jahren sind Hans-Dietrich Genschers Visionen für Deutschland wahr geworden, und seine Vision eines geeinten und friedlichen Europas ist mit dem Beitritt der neuen EU-Staaten zur Union von Europa eindrucksvoll bestätigt worden."